Die Schlafkanzel

Zwergfledermaus in Kanzeldach
Das Bild ist um 180° gedreht. Die Fledermaus “hängt” eigentlich an der Decke. (Siehe Video unten)

Wir haben Jagdgäste in den Kanzeln. Interessant ist, dass die tagsüber in der Kanzel schlafen und dann auf Jagd gehen, wenn ich schon wieder abbaume. Es sind Fledermäuse.

Am 1. Mai morgens bei erstem Büchsenlicht ging es los. Ein gutes Dutzend Fledermäuse ist mir um den Kopf geflogen. Was machen die, habe ich mich gefragt. Hier ist doch gar nicht so ein hohes Beuteaufkommen. Bis dann ruck, zuck eine nach der anderen im Dach der Kanzel verschwunden ist.

Sie hatten mich als harmlos eingestuft und sich getraut, ihre Schlafplätze preiszugeben.

Einschlupf für die Fledermaus
Zwischen den Sparren dahinten gibt es ein bisschen Platz.

Diese Schlafplätze, das sind kleine Einschlüpfe zwischen den Dachsparren und der Dachplane. Vielleicht 15 mm hoch, 4 cm breit und 8 cm tief. Das reicht den kleinen Kerlen und jeder hat sein Appartement.

Wenn ich beim Ansitz so eine Kanzel nehme, mit dieser speziellen Dachkonstruktion, dann guck ich auch immer in die Schlitze, ob sie vielleicht bewohnt sind. Manchmal sind sie es.

Und jetzt habe ich mal einen dieser Schlafgäste fotografiert und gefilmt.

Nachdem ich mich beim Bonner Arbeitskreis für Fledermausschutz schlau gemacht habe, sieht es ganz danach aus, als wäre es eine Zwergfledermaus. (Es könnte theoretisch auch noch die Schwesterart Mückenfledermaus sein.)

Kurz nachdem ich sie gefilmt habe, ist sie dann zu ihrer Jagd ausgeflogen. Ich habe sie bei ihrem Abflug im letzten Büchsenlicht nur noch schemenhaft gesehen und konnte ihr auch gerade noch ein Waidmannsheil hinterher murmeln.

12.9.16 – ein Nachtrag über die offenbar nicht so seltene Tollwut bei Fledermäusen

Eine schöne Kanzel hat man nie alleine

Finden Sie das Wespennest?

Mit Wespen ist das so eine Sache. Wenn sie im Spätsommer über dem Quetschekuchen taumeln, dann ist Vorsicht angesagt. Die Biester sind aggressiv.

Und wer schon mal beim in den Kuchen beißen in die Lippe – oder sonstwie von einer Wespe gestochen wurde, der weiß, wie weh das tut. Es reicht eigentlich schon, wenn man mal dabei war, wo einer gestochen wurde, um zu wissen wie weh das tut. Ach, es reicht eigentlich schon, wenn man davon gehört hat, wie einer gestochen wurde, um zu wissen ..

Wespen sind gefährlich! Alle Wespen – wirklich?

Zum diesjährigen Aufgang der Jagd habe ich mir eine hohe Kanzel ausgesucht. Dieses Jahr sind erstmals mit den Böcken und den Schmalrehen auch die Einjährigen beim Rotwild gleich offen. Langsam aber sicher gewinnt bei den Jagdzeiten die Vernunft die Oberhand über – ja über was? – über alte Zöpfe, über Folklore?

Sei es drum. Wie ich oben auf der Leiter steh, mit einer Hand die Tür öffne und mit der anderen den Riemen der Waffe festhalte, fliegt eine Wespe auf mich zu. Oh Gott, eine Wespe, und meine Hände sind gebunden. In der Arbeitssicherheit nennt man das “Totmannschaltung”: Beide Hände an “Schaltern”, da kann man sie nicht in die Maschine bringen.

Zurück zur angreifenden Wespe. Was hätten Sie gemacht? Loslassen, um die Wespe weg zu wedeln, geht nicht. Am Ende liegt die teure Waffe unten oder gar man selber. Rückzug antreten, umrüsten und neu aufsteigen? Am 1. Mai, nachdem Sie 10 Minuten ohne auch nur ein Zweiglein zu brechen über den Pirschpfad angerückt sind? Im Leben nicht!

Also ich hab folgendes gemacht: Ich habe der Wespe entgegen geblasen. Gar nicht mal so stark. Ich wollte einfach mal probieren, ob sie sich davon beeindrucken lässt. Und tatsächlich. Sie wich ein bisschen zurück und ich ging ein bisschen vor. Und als ich dann ganz drin war, habe ich zu mir gesagt: So gefährlich ist die gar nicht. Mal sehen ob ich die nicht aus dem Fenster pusten kann.

Und das klappte – erst mal. Denn, sie war umgehend wieder drin, durch das nächste Fenster. Aber, sie kümmerte sich überhaupt nicht mehr um mich, sondern flog schnurstracks in die Ecke. Zu ihrem Nest. “Ach so”, habe ich gesagt, “Du wohnst hier. Na dann .. probieren wir mal aus, wie wir miteinander auskommen.”

Und was soll ich sagen: Sie flog ein paar mal weg, kam ein paar mal rein, baute außen und innen an ihrem Nest und – ganz wichtig – kümmerte sich fortan nicht mehr um mich. Offenbar hatte sie mich als ungefährlich eingestuft.

Die Wespe ist voll und ganz mit ihrem Nest beschäftigt

Dass nicht nur diese eine spezielle Wespe friedlich ist, sondern dass diese Wespen offenbar grundsätzlich nicht aggressiv sind – es könnte vom Nesttyp her die Sächsische Wespe sein – habe ich ein paar Tage später in einem mutigen 😉 Selbsttest heraus gefunden.

Als ich schon eine Weile in einer anderen Kanzel drin saß, kam eine Wespe aus einem ganz ähnlichen Nest oben unter dem Dach. Sie flog direkt auf mich zu und “stand” ein paar Sekunden ca 10 cm vor meiner Stirn in der Luft. Ich habe mich überhaupt nicht gerührt. Worauf sie zurück brummte, die Arbeit an ihrem Nest wieder aufnahm und sich nicht mehr um mich kümmerte.

Und als etwas später Alt- und Schmaltier auf die Wiese traten, habe ich die Wespe auch vergessen. Das Schmaltier wurde meine erste Beute dieses Jahr.