Eine schöne Kanzel hat man nie alleine

Finden Sie das Wespennest?

Mit Wespen ist das so eine Sache. Wenn sie im Spätsommer über dem Quetschekuchen taumeln, dann ist Vorsicht angesagt. Die Biester sind aggressiv.

Und wer schon mal beim in den Kuchen beißen in die Lippe – oder sonstwie von einer Wespe gestochen wurde, der weiß, wie weh das tut. Es reicht eigentlich schon, wenn man mal dabei war, wo einer gestochen wurde, um zu wissen wie weh das tut. Ach, es reicht eigentlich schon, wenn man davon gehört hat, wie einer gestochen wurde, um zu wissen ..

Wespen sind gefährlich! Alle Wespen – wirklich?

Zum diesjährigen Aufgang der Jagd habe ich mir eine hohe Kanzel ausgesucht. Dieses Jahr sind erstmals mit den Böcken und den Schmalrehen auch die Einjährigen beim Rotwild gleich offen. Langsam aber sicher gewinnt bei den Jagdzeiten die Vernunft die Oberhand über – ja über was? – über alte Zöpfe, über Folklore?

Sei es drum. Wie ich oben auf der Leiter steh, mit einer Hand die Tür öffne und mit der anderen den Riemen der Waffe festhalte, fliegt eine Wespe auf mich zu. Oh Gott, eine Wespe, und meine Hände sind gebunden. In der Arbeitssicherheit nennt man das “Totmannschaltung”: Beide Hände an “Schaltern”, da kann man sie nicht in die Maschine bringen.

Zurück zur angreifenden Wespe. Was hätten Sie gemacht? Loslassen, um die Wespe weg zu wedeln, geht nicht. Am Ende liegt die teure Waffe unten oder gar man selber. Rückzug antreten, umrüsten und neu aufsteigen? Am 1. Mai, nachdem Sie 10 Minuten ohne auch nur ein Zweiglein zu brechen über den Pirschpfad angerückt sind? Im Leben nicht!

Also ich hab folgendes gemacht: Ich habe der Wespe entgegen geblasen. Gar nicht mal so stark. Ich wollte einfach mal probieren, ob sie sich davon beeindrucken lässt. Und tatsächlich. Sie wich ein bisschen zurück und ich ging ein bisschen vor. Und als ich dann ganz drin war, habe ich zu mir gesagt: So gefährlich ist die gar nicht. Mal sehen ob ich die nicht aus dem Fenster pusten kann.

Und das klappte – erst mal. Denn, sie war umgehend wieder drin, durch das nächste Fenster. Aber, sie kümmerte sich überhaupt nicht mehr um mich, sondern flog schnurstracks in die Ecke. Zu ihrem Nest. “Ach so”, habe ich gesagt, “Du wohnst hier. Na dann .. probieren wir mal aus, wie wir miteinander auskommen.”

Und was soll ich sagen: Sie flog ein paar mal weg, kam ein paar mal rein, baute außen und innen an ihrem Nest und – ganz wichtig – kümmerte sich fortan nicht mehr um mich. Offenbar hatte sie mich als ungefährlich eingestuft.

Die Wespe ist voll und ganz mit ihrem Nest beschäftigt

Dass nicht nur diese eine spezielle Wespe friedlich ist, sondern dass diese Wespen offenbar grundsätzlich nicht aggressiv sind – es könnte vom Nesttyp her die Sächsische Wespe sein – habe ich ein paar Tage später in einem mutigen 😉 Selbsttest heraus gefunden.

Als ich schon eine Weile in einer anderen Kanzel drin saß, kam eine Wespe aus einem ganz ähnlichen Nest oben unter dem Dach. Sie flog direkt auf mich zu und “stand” ein paar Sekunden ca 10 cm vor meiner Stirn in der Luft. Ich habe mich überhaupt nicht gerührt. Worauf sie zurück brummte, die Arbeit an ihrem Nest wieder aufnahm und sich nicht mehr um mich kümmerte.

Und als etwas später Alt- und Schmaltier auf die Wiese traten, habe ich die Wespe auch vergessen. Das Schmaltier wurde meine erste Beute dieses Jahr.

Rhein-Zeitung veröffentlicht Anzeige der Kampagne „Kämpf mit“ der Jäger des Kreises Ahrweiler

 

 

In der Ausgabe Nr. 208 vom Samstag, den 7.09.13 auf der Rheinland-Pfalz Seite wird mit großer Anzeige, der Kampagne „ Kämpf mit“ der Jäger in Ahrweiler Platz gegeben.
Es stimmt nachdenklich, dass eine renommierte Tageszeitung eine Anzeige veröffentlicht, die unsachlich und polemisch ist. Sie hetzt auf und verunglimpft all diejenigen, die sich für einen verantwortungsvollen Umgang mit Wald und Wild einsetzen. Zur Pressemitteilung hier:

Bauern unterstützen „Kämpf mit“ – sehr befremdlich

Schulterschluß ohne nachzudenken? Es ist schon sehr befremdlich, wie sich der Kreisbauern-und Winzerverband Ahrweiler von der Kreisjägerschaft Ahrweiler durch Unterschrift ihrer Petition für deren Interessen instrumentalisieren lässt.
Sicherlich lässt kein Landwirt sein Vieh auf der Weide oder im Stall verhungern. Sicher ist aber auch, dass kein Landwirt soviel Vieh hält, dass eine Überweidung stattfindet und im Stall eine artgerechte Haltung nicht mehr möglich ist.
Die Folge von „zu viel“ in der Natur, ist die Übernutzung der Lebensräume. Offensichtlich ist dies im Kreis Ahrweiler im eklatanten Ausmaß der Fall. Aufgrund der Klimaveränderung, des naturnahen Waldbaus und der intensiven Landwirtschaft haben sich die Lebensbedingungen für Reh, Hirsch und Sau nicht verschlechtert, sondern nur verbessert.
Tierschutz bedeutet auch, dass der Jäger vor allem die verantwortungsvolle Aufgabe hat, den Wildbestand den natürlichen Lebensgrundlagen anzupassen. Der Versuch, durch Fütterung die Wildbestände überdem von der Natur tragbaren Niveau zu halten, wurde von KONRAD LORENZ einst als die „Verhausschweinung des Wildes“ bezeichnet. Die Jäger müssen somit in erster Linie dieser Verantwortung im Sinne eines „ respektvollen Umgangs“ mit der Natur und dem Wild nachkommen.
Der ÖJV Rheinland-Pfalz setzt sich seit Jahren für einen verantwortungsvollen Umgang mit Wald, Wild und Natur ein. Dies verlangt sachliches und komplexes Denken und Handeln. Das ist mehr, als mit dem Futtereimer in den Wald zu gehen.

Rotwildprojekte – Ziele, Erfahrungen, Konsequenzen!

Bildungszentrum Emmelshausen
am 30.09.2011 um 14.00 Uhr
Erfahrungen aus 10 Jahren Lebensraummodellprojekt im Rotwildring Osburg-Saar
Helmut Lieser, Forstamt Saarburg
Neue Wege in der Rotwildbewirtschaftung im Hochwald (Hunsrück)
Ralf Neuheisel, Zentralstelle der Forstverwaltung Rheinland-Pfalz
Ulf Hettich, Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft Rheinland-Pfalz
Jagdzeitenkonzept zur zielorientierten Bejagung von Schalenwild in der Hatzfeldt-Wildenburg’schen Verwaltung/Brandenburg
Tom Müller, Institut für Waldbau & Forstschutz TU Dresden/ Tharandt
Podium:
F. Ridderbusch, Oberste Jagdbehörde RLP
G. Bauer, Gemeinde- u. Städtebund RLP
G. Fischer, Waldbesitzerverband RLP
Dr. F. Straubinger, Großprivatwald


Anfahrt:

Navigationsziel:
Bildungszentrum Emmelshausen, Rhein-Mosel-Straße 9, 56281 Emmelshausen

Koordinaten: 50° 9’20.43″N, 7°33’47.98″E

Bitte bis zum 19.09.2011 anmelden bei: t.boschen@oejv.de

Auf Ansitz

Hase oder Häsin? Auf jeden Fall ein schöner Brocken. Und ein schöner Braten – ich muss schmunzeln. Dass man als Jäger immer gleich in solchen Kategorien denkt – schöner Braten.

Immerhin, es geht gut los. Ich leuchte mit dem Glas die Wiese ab. Und natürlich auch in die Bestandsränder rein, weil da ja das Rotwild gerne ein Weilchen verhofft, bevor es raus tritt. Aber nix iss’, im Moment. Ich bin ja auch früh da – rechtzeitig, wie ich hoffe.

Oh, wo ist jetzt der Hase? Eben war er doch noch da und jetzt finde ich ihn nicht mehr mit dem Glas. Und auch nicht ohne Glas, mit vollem Gesichtsfeld. Hm, schade.

Wenn ich mich weit drehe, dann knarzt der Sitz ein bisschen. Ob man das unten hört, auf der Wiese? Und wenn ja, ob sie es als natürliches Geräusch interpretieren werden? Besser, ich bewege mich vorsichtig. Man muss es nicht drauf anlegen. Es muss ja nicht knarzen.

Ahh, da ist er wieder. Der Hase. Jetzt knabbert er da in einem kleinen Grabenabschnitt links am Wiesenrand was Feines, wohl Ginster. Aus dieser Ecke könnte auch das Rotwild einwechseln. Könnte. Könnte aber auch von der anderen Seite kommen. Der Wind passt so oder so. Na ja, wir werden sehen.

Wenn es ein Hase ist, dann heißt er Rammler in Jägersprech, oder? Doch doch, so heißt er. Und die Häsin, die heißt Rammlerin? So wie bei Senner und Sennerin? Ich glaube eher nicht. Aber wie dann? So sehr ich mich auch anstrenge, es will mir nicht einfallen. Rammlerin, jedenfalls, habe ich zu den Akten gelegt. Ich werd’s nachschauen, nachher zu Hause, im Blase.

Die Zeit vergeht. Oha, jetzt machen zwei Eichelhäher mächtig Lärm. Ich bin schon in Habachtstellung; und gleich das Gewehr etwas fester gepackt. Aber es kommt nix aus der Richtung. Fehlalarm. Vielleicht haben die beiden sich auch nur gegenseitig gemeldet. Möglich ist es, oder?

Hase oder HäsinDie Rammlerin will mir nicht aus dem Kopf. Beim Hasen kann man die Geschlechter nicht so einfach unterscheiden. Jedenfalls dann nicht, wenn man ihn nicht in der Hand hat und auf den Rücken drehen kann. Ob das hier vorne ein Hase oder eine Häsin ist, ist beim besten Willen nicht zu entscheiden. Beim Rotwild ist das schon einfacher.

Heute Abend warte ich auf Kahlwild. Es zieht ein Rudel hier in der Gegend. Und sie sollten sich nicht mehr allzu viel Zeit lassen. Langsam wird’s duster. Büchsenlicht vielleicht noch eine halbe Stunde. Mehr jedenfalls nicht. Und da, plötzlich – Bewegung. Ganz links hinten – aus den Augenwinkeln gerade so mit gekriegt.

Langsam das Glas hoch (vorsichtig, wegen dem Knarzen). Ich seh nix. Mist, ich seh nix. Keine Bewegung, keine bekannte Silhouette, kein Hirschrot im dunklen waldgrün-braun.

Ah jetzt. Ein neuer Hase auf der Bildfläche. Nein, ein neuer halber Hase, um genau zu sein. Ein Kleiner. Und mit ein paar flotten Sprüngen ist er beim Großen. Und jetzt machen die beiden ein kleines Tänzchen. Wer fängt wen?

Der Kleine ist ein bisschen flinker unterwegs und kreist zwei drei mal um den Großen. Der macht ein bisschen mit. Aber nicht mit vollem Einsatz. Genau so wie es Erwachsene tun, wenn Sie einem Kind was vor machen: Pass auf, ich krieg dich!

Und was passiert jetzt? Der Kleine kriecht zwischen den Vorderbeinen des Großen förmlich in diesen hinein. Und dann, tief unten angekommen, dreht er sich auf den Rücken. Sein weißes Bauchfell leuchtet in der Dämmerung. Er säugt. Die Häsin leckt ihm dabei das Bäuchlein. Ich habe sie ganz scharf im Glas, die beiden.

Wie lange geht das? Sind’s zwei, sind’s drei Minuten? Die Häsin rutscht weg. Sie will nicht mehr, auch wenn der kleine Hase drängt. Milch scheint auch nicht mehr seine einzige Nahrung zu sein. Eher ein Zubrot, würde ich sagen. Jetzt mümmeln sie nämlich beide, einträchtig nebeneinander, irgendwas Grünes auf der Wiese.

Und jetzt ist es eigentlich rum für mich. Gerade vergeht das letzte Büchsenlicht. Ich leuchte noch ein mal den Bestandsrand ab – und ja, nix geht mehr. Der Wald steht da wie eine schwarze Wand. Feierabend, ich baum’ hier ab.

Schnell noch mal nach den Hasen gucken. Sie trennen sich. Hier vorne, noch gut als Umriss zu erkennen, die Häsin. Und da, schon 20 – 30 Schritte weg, der Kleine. Noch ein paar Hoppler und ich kann ihn auch im Glas nicht mehr sehen.

Ich packe meine Siebensachen und mache mich auf den Weg zum Auto. Mir geht’s gut. War ein schöner Ansitz.

Rotwild in Rheinland-Pfalz

Das Leitbild für ein fortschrittliches Management des Rotwildes in Deutschland von Ulrich Wotschikowski, Olaf Simon, Kai Elmauer und Swen Herzog heraus gegeben von der Deutschen Wildtierstiftung (Hamburg 2006) eröffnet erneut die Diskussion um den richtigen Umgang mit dem Rotwild. Im folgenden Artikel soll auf die Situation des Rotwildes in Rheinland-Pfalz eingegangen werden. Weiter lesen ..

Einfluss der Bejagung auf das Rotwild aus genetischer Sicht

Prof. Dr. G. B. Hartl
Institut für Haustierkunde der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Olshausenstraße 40, D-24118 Kiel

Einleitung

Genetische Vielfalt in Körper‑ und Verhaltensmerkma­len ist die Grundlage für die Anpassungs­fähigkeit einer Fortpflanzungsgemein­schaft an ihre sich ständig ändernde Umwelt. Wie durch die ver­gleichsweise geringe Häufigkeit spontan auftretender Veränderungen von Erbanlagen (aufgrund geringer Po­pulati­ons­größen und langer Generationsinter­valle) und die über­wie­gend schä­digende Wirkung solcher Erbänderungen in einem komplexen Organismus zu erklären ist, braucht sie bei großen Säugetier­arten zu ihrer na­tür­lichen Entste­hung Tausende von Jahren. Ist genü­gend genetische Vielfalt vorhan­den, so finden sich unter den verschiedensten Um­weltbedingungen immer Individuen, die in der Lage sind, mehr Nach­kommen hervorzu­bringen als andere ‑ ein Vorgang, der den Genbestand verändert und als natürliche Selektion bezeichnet wird. Hat jedoch eine Fortpflan­zungsgemeinschaft ei­nen großen Teil ihrer Genreser­ven verloren, so treten vermehrt Krankhei­ten und Mißbildungen auf, es kommt zu ver­minderter Fruchtbarkeit und Vitalität, und die Po­pulati­on kann schließlich bei Veränderung eines bestimmten Umwelt­faktors aufgrund mangelnder An­passungsfähigkeit zugrunde gehen.

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