Handlungsprogramm zur Reduzierung überhöhter Schwarzwildbestände und zur Absenkung des Risikos einer Ausbreitung von Tierseuchen

Das „Handlungsprogramm zur Reduzierung überhöhter Schwarzwildbestände und zur Absenkung des Risikos einerAusbreitung von Tierseuchen“  existiert seit dem Jahr 1999 in Rheinland-Pfalz. Nach Auftreten der Klassischen Schweinepest (KSP) bei Schwarzwild wurde es von der obersten Jagd- und Veterinärbehörde ins Leben gerufen. Beteiligt waren der Landesjagdverband Rheinland-Pfalz e.V., die Interessengemeinschaft der Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer im Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e.V., die Fachgruppe Jagdgenossenschaften im Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz-Süd e.V. sowie der Gemeinde- und Städtebund Rheinland-Pfalz.

Trotz anfänglicher Übereinstimmung und wiederholter Kompromissversuche konnte für das Jagdjahr 2015/2016 erstmals keine einheitliche Ausgestaltung des Handlungsprogramms erreicht werden. Das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten hat auf der Grundlage einer gemeinsamen Abstimmung im Oktober 2014, jetzt ein Jahr später, Handlungsempfehlungen veröffentlicht.
Der Landesjagdverband RLP hat seine Zustimmung verweigert. Er begründet dies in seinem Mitgliederanschreiben damit, dass die Jäger in den zurückliegenden Jahren die Bejagung vorbildlich ausgeübt hätten und somit eine Reduzierung des Schwarzwildes erreicht worden wäre. Er sieht daher keine Notwendigkeit weiterhin nach einer ganzjährig intensiven Bejagung des Schwarzwildes wie in Pkt. 2 der Handlungsempfehlungen aufgeführt. In den Focus rückt der Landesjagdverband vor allem den Muttertierschutz, der nach ihrer Meinung von verschiedenen Verhandlungspartnern zu wenig Gewicht beigemessen wird.  

 

„Gerade jetzt, wo überall Schwarzwildschäden in der Landwirtschaft auftreten, ist es völlig unverständlich, dass kein einvernehmliches Handlungsprogramm an die Jägerschaft rausgegeben werden kann!“ so Thomas Boschen vom Ökologischen Jagdverband in RLP.
Zur ausführlichen Pressemitteilung des ÖJV klicken Sie hier: 

Brennpunkt Schwarzwild

In der aktuellen ÖKOJAGD 1/2015 (oder online hier) gibt es den Beitrag „Brennpunkt Schwarzwild“. Darin wird einmal klar aufgezeigt, welche Probleme die aktuelle Schwarzwildschwemme produziert:

„Aufgrund der hohen Wildschweinpopulationen werden massiv Allgemeinwohl- und Eigentumsinteressen berührt.“ 

Und dann wird aufgezählt:

  • Wildschäden in Wald und Feld,
  • Tierseuchenrisiko durch
    • Afrikanische Schweinepest (ASP),
    • Klassische Schweinepest (KSP) oder
    • Aujeszkysche Krankheit (AK),
  • schwere Verkehrsunfälle,
  • Beeinträchtigung von Naturschutzzielen
  • das zunehmende Vorkommen von Wildschweinen in städtischen Bereichen

Das sind nicht gerade kleine Probleme. Und es gibt sie schon länger. Und nicht nur in Bayern, wo das Schwarzwild-in-Griff-kriegen Projekt „Brennpunkt Schwarzwild“ vom Bauernverband initiiert wurde.

Und wir, die Jäger sind zuständig, das Problem zu lösen. Oder nicht?

Wenn wir da nicht Verantwortung übernehmen, dann geht eher früher als später die Legitimation der Jagd flöten. Sie dazu auch:  Jäger schaufeln fleißig eigenes Grab

Manche begreifen es nicht!

Neulich, staunend hier im stadtnahen Wald

Wenn man dieses Stillleben betrachtet, dann fragt man sich, was der Jäger hier vorhat.

Auf einer Sägespäne-Getreide-Maismischung liegt bunt durcheinander alles mögliche an Rüben, Kohl, Salat. Unter den Baumscheiben und im Topf rechts dann noch mal ordentlich Mais und Getreide. Kirren ist das nicht! Siehe Kirrverordnung Rheinland-Pfalz.

Mit der Sauenschwemme hier in Rheinland-Pfalz (Dunklerote Flächen hier), hat sowas natürlich nix zu tun. Die milden Winter und die Buchenmast, die maislastige Landwirtschaft und die Frischlingsbachen – alles, alles trägt zum Problem bei. Nur die altzopfigen Jagdmethoden nicht.

Übrigens kam auch wieder bei dem „Brennpunkt-Schwarzwild“ heraus:
Kirrungen heizen oft nur die Reproduktion an und taugen selten zur Reduktion. 
In einer Kirr-Analyse (Seite 64 im Bericht) kam heraus, dass pro erlegte Sau 2 Zentner Mais investiert werden (ca. 3 kg pro kg Wildbret) – das ist mehr als in der Hausschweinemast!

Jäger schaufeln fleißig eigenes Grab

Wildverbiss

„Es gibt keinen Grund dafür, dass Jäger ein Monopol auf die Regulation der Wildbestände halten, wenn die Populationen außer Kontrolle geraten“ – Das ist ein gefährlicher Satz, der bei allen Jägern die Ohren klingeln lassen müsste.

Und er kommt nicht von irgendwo her, sondern vom Max-Planck-Institut für Biogeochemie. Genauer aus deren Pressemitteilung: Das Wild siegt über Artenschutz

Es geht da zwar vornehmlich um Schutzgebiete und da sind der Jagd ja die Hände gebunden. „Aber“, heißt es weiter: “ .. nicht nur dort, auch Wirtschaftswälder haben zu hohe Wildschäden, so dass auch das erklärte Wirtschaftsziel eines ökologischen Waldumbaus in Frage gestellt ist.“

Wir Jäger schaufeln unser eigenes Grab, wenn wir die Aufgabe nicht annehmen, Wildbestände auf ein ökosystemverträgliches Maß zu reduzieren.

Damit wir weiterhin das „Monopol“ auf die Regulation der Wildbestände halten, müssen wir  für folgende Punkte mitsorgen

  • Im Wald müssen sich die heimischen, standorttypischen Baumarten ohne Zaun verjüngen.
  • Die Schäden durch Sauen in der Landwirtschaft und auch in der Population selber (z.B. Schweinepest) müssen wieder ganz seltene Ereignisse werden. 

Die Zeit für althergebrachte Trophäenjagd läuft rasant ab.

Ökologischen Jagdverbandes Rheinland-Pfalz warnt vor Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP)

Ende Juni ist erstmals der Erreger der Afrikanischen Schweinepest in Weißrussland, in der Nähe der polnischen Grenze, aufgetreten. Damit besteht das große Risiko, dass der Erreger über Polen nach Deutschland eingeschleppt wird.

Der Virus der Afrikanischen Schweinepest ist hochgradig ansteckend und führt bei Wild- und Hausschweinen innerhalb von 10 Tagen nach Infektion zum Tode. Gegen den Virus kann nicht geimpft werden. Für den Menschen besteht kein Gesundheitsrisiko.  
Neben dem Einschleppen des Virus durch infizierte Lebensmittel bzw. tierischen Produkten, dem Anhaften an Kleidung und Schuhwerk durch den Menschen, wird der Erreger innerhalb der Wildschweinepopulation transportiert. Der Seuchenzug schreitet bei hohen Populationen besonders schnell voran. Es muss daher alles getan werden, bei Beachtung des Tierschutzes, die Schwarzwildpopulation niedrig zu halten.
Der Ökologische Jagdverband appelliert an alle verantwortungsbewussten Revierinhaber, die Schwarzwildbestände konsequent zu bejagen. Die Population muss landesweit abgesenkt werden, um das Infektionsrisiko zu senken. Revieregoismen müssen abgelegt werden. Hegephilosophien, die auf ein Anwachsen der Population ausgerichtet sind, müssen unterbleiben. Das Augenmerk ist auf den Abschuss der Zuwachsträger einer Population zu richten. Großräumige Bewegungsjagden sind die effektivste Methode, um die Bestände zu dezimieren. Abschussvorgaben mit Gewichtsbegrenzungen und finanziellen Sanktionen bei Fehlabschüssen sind kontraproduktiv und verhindern den notwendigen Jagderfolg.
   
Während in Rheinland-Pfalz die Schonzeit für Schwarzwild aufgehoben wurde, um eine effektive Jagd zu ermöglichen, gilt in den Nachbarländern Hessen, Nordrhein-Westfalen und Saarland immer noch eine befristete Jagdzeit für mehrjährige Stücke (Bachen, Keiler). Angesichts der Gefahr der ASP ist dies völlig unverständlich.
Ein Ausbruch der ASP in Deutschland hätte existenzielle Folgen für die Landwirtschaft.
Die Schwarzwildpopulation würde zusammenbrechen, da 100 % der infizierten Tiere sterben.
Es muss daher im Interesse aller Jäger liegen, die Schwarzwildpopulation konsequent abzusenken. Ansonsten wird der Seuchenzug schnell und ungebremst durch Deutschland ziehen. Jagdlich müssen jetzt alle Anstrengungen unternommen werden, um dies zu verhindern.

Schwarzwild: Kirrmais versus Feldmais

Lesetipp: Eine Untersuchung von Ulf Hohmann und Ditmar Huckschlag von der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft, Rheinland-Pfalz mit dem Titel: Schwarzwild: Kirrmais versus Feldmais (PDF Dokument, 4 Seiten)

Aus der Einleitung:

Am Beispiel von Rheinland-Pfalz soll über die Zugrundelegung statistischer Zahlen der Versuch unternommen werden, die Bedeutung von Feldmais für die Populationsdynamik des Schwarzwildes den Maisgaben aus Jägerhand gegenüber zu stellen.

Rot-, Reh- und Schwarzwild brauchen keine Fütterung

Pressemitteilung

In diesem Jahr haben wir mal wieder richtig Winter, Schnee bedeckt den Boden und verdeckt die Nahrung des Wildes. Doch wer sich mit den Lebensgewohnheiten des Wildes ausführlich auseinandersetzt, wird feststellen, dass es im Winter keine Not leidet.

Mit Beginn der kalten Jahreszeit bekommt das Wild nicht nur ein dichtes Winterhaar, sondern stellt auch seine Fressgewohnheiten um. Wildbiologen von der Veterinärmedezinischen Universität Wien haben herausgefunden, dass im Frühjahr und Sommer vom Wild überwiegend eiweißreiche Nahrung aufgenommen wird, dagegen ist im Winter bis in den März hinein Rohfaser Hauptbestandteil der Nahrung. Der Aufschluss der Nahrung wird hauptsächlich von Bakterien übernommen, sodass der Energieaufwand zur Verdauung für das Wild äußerst gering ist.

In weiteren Versuchen konnte man feststellen, dass das Wild in der Lage ist, seine Körpertemperatur zu steuern. Wie bei Tieren, die Winterschlaf halten, werden sämtliche Körperfunktionen auf ein Minimum zurück geschraubt. Es bewegt sich kaum und benötigt nur geringe Energiemengen zur Aufrechterhaltung der lebenswichtigen Funktionen. Das Wild verschläft die extremen Tage im Winter und zehrt von seiner Speckschicht, die es sich in den Vormonaten angefressen hat.

Falsch verstandene Tierliebe schadet unseren Wildtieren. Durch Fütterungen wird das Wild künstlich in Bewegung gehalten. Ein Teufelskreis beginnt – höherer Energiebedarf zur Aufbereitung der Nahrung erfordert mehr Bewegung zur Nahrungsaufnahme, die wiederum durch vermehrte Nahrungsaufnahme gedeckt werden muss. Erhebliche Wildschäden im Umkreis der Fütterungen sind die Folge.

Oft sind Fütterungen Keimzellen für Krankheiten, da sich hier das Wild sammelt und gegenseitig ansteckt. Rehwild wird von den Wildbiologen als Konzentratselektierer bezeichnet, das bedeutet, dass es nicht wie eine Kuh auf der Wiese weidet, sondern sehr selektiv Gräser, Knospen und Blätter aufnimmt. Fütterungen können diese Nahrung nicht ersetzen, sind unnatürlich und in einem intakten Lebensraum schädlich.

Leider sind in den letzten Jahren durch falsch verstandene Hege, die Schalenwildbestände vielerorts dermaßen angestiegen, dass sich der Wald nicht natürlich verjüngen kann. Nur hinter Zäunen wächst die natürliche Waldgesellschaft. Es kommt zu vermehrtem Stress, da sich das Wild förmlich auf den Füßen steht. Die Nahrungsgrundlagen werden übernutzt.

Die Reduzierung der Wildbestände auf ein waldverträgliches und biotopbezogenes Maß, muss daher die Hauptaufgabe der Jägerschaft sein. Im Mittelpunkt der Betrachtung muss der Lebensraum Wald mit seinen vielfältigen Funktionen stehen.

Gegenüber dem Schalenwild können Raubtiere wie Füchse und Marder sowie Greifvögel und Eulen wirklich in Not geraten, da ihre Nahrungsgrundlagen unter dem Schnee verborgen liegen. Ein Teil der Population wird den strengen Winter nicht überleben. Harte Winter sind aber ein natürliches Regulativ im Naturhaushalt, da vor allem kranke und kümmernde Tiere zuerst sterben. Auf natürliche Weise wird so eine Überpopulation von Tieren vermieden. Eine dem Lebensraum angepasste, gesunde Population ist Garant dafür, dass Tierseuchen wie z.B. Tollwut, Fuchsräude und Schweinepest nicht auftreten. Tollwut und Fuchsräude haben für die Tiere ein sehr qualvolles Ende zur Folge und sind für Menschen und Haustiere gefährlich. Der Ausbruch der Schweinepest hat enorme wirtschaftliche Folgen für die Landwirtschaft und die Schutzimpfung kostet Millionen.

Fütterungen sind daher außerordentlich problematisch zu sehen. Aus gutem Grund hat der Gesetzgeber sie in Rheinland-Pfalz verboten. Waldbesucher sollten in den Wintertagen dem Wild die notwendige Ruhe gönnen und nicht die Wege verlassen. Hunde gehören an die Leine, um das Wild nicht unnötig zu stören. Eine Fütterung ist nicht notwendig und hat mit Tierschutz nichts zu tun.

Schweinepest bei Wildschwein in der Pfalz aufgetreten

Die Schweinepest ist jetzt bei einem Wildschwein in der Pfalz aufgetreten. Der Frischling war in der Verbandsgemeinde Waldfischbach im Kreis Südwestpfalz erlegt worden, das Virus wurde im Landesuntersuchungsamt (LUA) nachgewiesen. Da die Wildschweine zurzeit „frischen“ und die Jungtiere besonders empfänglich für die Schweinepest sind, ist eine weitere Verbreitung der Krankheit im Wildbestand zu befürchten. Die Tierkrankheit ist für Menschen ungefährlich, kann aber einen hohen wirtschaftlichen Schaden anrichten, wenn sie in Hausschweinbestände eingeschleppt wird.

Seit 2003 wird in der Pfalz Schwarzwild mit Köderimpfungen gegen die Schweinepest geschützt. Lange mit Erfolg: Seit November 2004 hat es in der Pfalz keinen Schweinepest-Nachweis bei Wildschweinen mehr gegeben. Die Impfungen an der Grenze zu Frankreich sind erst im Herbst 2008 eingestellt worden.

In Eifel und Westerwald werden Impfköder zur Bekämpfung der Schweinepest ausgelegt

Zur Bekämpfung der Schweinepest bei Schwarzwild in Rheinland-Pfalz werden vom 27. Februar bis 1. März 2009 in den Impfgebieten Eifel und Westerwald Impfköder ausgelegt. Jäger erhalten die Impfköder in den Kreisverwaltungen und bringen sie an Köderauslageplätzen (z.B. Kirrstellen) im Wald aus. Der Impfstoff stellt für Menschen keine Gefahr dar, jedoch sollten die an ein Stück Seife erinnernden Köder nicht berührt werden.

In der Eifel wird in Teilen der Landkreise Ahrweiler und Vulkaneifel, im Westerwald in den Landkreisen Altenkirchen, Neuwied und Teilen des Westerwaldkreises geimpft. Informationen über Ort und Zeit der örtlichen Impfköder-Auslagen können bei den jeweiligen Kreisverwaltungen erfragt werden. weiter:

Aktuelle Virusnachweise: Karte

Schweinepest-Überwachung jetzt rechtsrheinisch ausgeweitet

Im Januar wurden zwei an Schweinepest erkrankte Wildschweine in Nordrhein-Westfalen entdeckt– eines davon in unmittelbarer Nähe zur rheinland-pfälzischen Grenze. Hierbei wurde ein neuer, bisher nicht in Deutschland nachgewiesener Virustyp gefunden. Daher wird in Rheinland-Pfalz die rechts-rheinisch bisher stichprobenweise durchgeführte Überwachung zur frühzeitigen Erkennung der Tierseuche ausgeweitet. Neu ist, dass die Jäger nun von allen erlegten oder aufgefundenen Wildschweinen Proben zur Untersuchung auf Schweinepest entnehmen müssen. Die in den Landkreisen Altenkirchen, Neuwied, Rhein-Lahn-Kreis und Westerwald seit Jahren etablierte Überwachung wurde in der erweiterten Form vom Landesuntersuchungsamt angeordnet.

In Rheinland-Pfalz gibt es bisher keinen Krankheitsausbruch, aber es gibt Verdachtsfälle auf Schweinepest: Bei untersuchten Wildschweinen wurden vereinzelt Antikörper nachgewiesen. Ursache hierfür kann sein, dass Wildschweine entweder einen Impfköder gefressen oder dass sie eine Erkrankung durchgemacht haben. Pressemitteilung