Ökologischer Jagdverband fordert Konsequenzen nach Wolfabschuss

Pressemitteilung

Die traurige Gewissheit, dass es sich um einen Wolf italienischer Herkunft handelt, der im Westerwaldkreis zur Strecke kam, empört jeden ökologischen denkenden Jäger, Naturliebhaber und Tierschützer.

Der Abschuss des Wolfes muss zum Anlass genommen werden, die jagdgesetzlichen Regelungen zum Abschuss von wildernden Hunden und Katzen neu zu regeln. Nach Auffassung des Ökologischen-Jagdverbandes Rheinland-Pfalz ist ein Abschuss von wildernden Hunden nur dann gerechtfertigt, wenn permanentes Wildern eines Hundes nachgewiesen wird. Die Abchussgenehmigung kann nur die Untere Jagdbehörde erteilen. Vorher müssen alle anderen Maßnahmen wie Bußgeld etc. ausgeschöpft worden sein.

Es ist auch nicht Aufgabe der Jägers wildernde Katzen zu schießen. Auch hier ist eine gesetzliche Regelung notwendig, die eine Kastrationspflicht vorschreibt.

Es ist bezeichnend, dass der Wolf nachdem er etliche Kilometer durch Deutschland gewandert ist, gerade im Westerwaldkreis zur Strecke kam. Kurt Alexander Michael, Präsident der Landesjägerschaft von Rheinland-Pfalz und Bernd Schneider als Kreisjagdmeister begrüßten den Wolf in einer Pressemeldung mit einem „Herzlichen Willkommen“, als es gelang einen Wolf in Rheinland-Pfalz nachzuweisen. Doch einen Monat später wurde der Wolf von Jägerhand getötet – ein herzlicher Empfang sieht anders aus.

Der Landesjagdverband und insbesondere seine Verbandsfunktionäre müssen sich nun der Kritik stellen, wie weit ist es mit der Artenkenntnis der Jäger im Landesjagdverband steht? Sehen alle Mitglieder die Wiederkehr von Wolf und Luchs positiv?

Als anerkannter Naturschutzverband ist der Landesjagdverband den Zielen des Naturschutzes besonders verpflichtet. Es herrscht eine krasse Fehleinschätzung des Verbandes vor, wenn er glaubt, dass alle Jäger dies verinnerlicht haben und danach leben. Naturschutz verlangt eine ganzheitliche Betrachtung in der auch Großprädatoren wie Wolf und Luchs Platz haben. Es gehört die Akzeptanz von jedem Revierinhaber dazu, dass Rehe zu den bevorzugten Beutetieren gehören und gerissen werden. Wer für angepasste Wildbestände eintritt, wird ihnen jedes Reh gönnen. Strenge Winter sind für ihn ein natürlicher Auslesefaktor in der Natur – Wildtiere brauchen keine Fütterung.

Trophäenorientiertes Denken sind Wolf und Luchs fremd. Sie nehmen was krank oder unvorsichtig ist. Da schmeckt der gut veranlagte Jährlingsbock genauso gut wie das Schmalreh. Gerade diese Unberechenbarkeit macht Jägern zu schaffen, die alten Hegetraditionen nachhängen. Der Abschuss des Wolfes richtet einen enormen Imageschaden für die Jäger an.

Die heutige Gesellschaft ist durch die Medien aufgeklärter da vernetzter als noch vor Jahren. Sie steht der Jagd kritisch gegenüber. Die Jagd muss sich daher für ihr Tun rechtfertigen und steht in der Pflicht zu belegen, dass sie notwendig ist. Der Wolfabschuss hat die Bemühungen, das Ansehen der Jagd in der Gesellschaft zu verbessern, nachhaltig beschädigt. Die Tat ruft Aggressionen hervor, die in manchen Gesellschaftskreisen auf Sympathie stoßen. Jagdgegner werden bestärkt in der Ansicht die Jagd gänzlich abzuschaffen.

Der Landesjagdverband muss beweisen, dass er es ernst meint mit seinen Verlautbarungen und handeln.

Westerwälder Wolf offenbar erschossen

Es ist noch keine 4 Wochen her, da waren wir alle von einer Nachricht wie elektrisiert. Alle, die von unserer heimischen Natur hier in Rheinland-Pfalz fasziniert sind: Der Wolf ist zurück.

Und heute liest man in der Rhein-Zeitung eine eigentlich nicht fassbare Nachricht: „Westerwälder Wolf ist offenbar erschossen worden“. Wie tickt einer, der auf den ersten zu uns zurückkommenden Wolf schießt?

Der Wolf ist ein scheues Tier dem Menschen gegenüber. Er wird immer versuchen, dem Menschen aus dem Weg zu gehen. Er ist keine Gefahr für uns.

Ja, er schlägt Wild. Er frisst Rehe. Ist ihm das zum Verhängnis geworden? Hoffentlich wird der Fall aufgeklärt. Und hoffentlich schlägt er hohe Wellen. Die Schandtat muss als Schandtat sichtbar werden und ins Bewusstsein rücken, damit der nächste Rückwanderer eine bessere Chance hat.

NACHTRAG 25.4.12: Schütze stellt sich. Die Rhein-Zeitung schreibt: „Ein 71-Jähriger aus Nordrhein-Westfalen hat sich bei der Kripo Montabaur gemeldet und zugegeben, dass er die Schüsse auf das Tier abgegeben hat. .. Der 71-Jährige soll nach Informationen des BUND ein Jäger sein.“

Scheuer Wolf im Landkreis Neuwied fotografiert

Eine aktuelle Pressemeldung des NABU und eine kleine Sensation!

Am 26. Februar wurde in der Nähe von Steimel in Rheinland-Pfalz ein wolfsähnliches Tier beobachtet und fotografiert. Nach Einschätzung des NABU handelt es sich bei dem abgelichteten Tier tatsächlich um einen Wolf. „Es sind die typischen Fellzeichnungen zu erkennen, wie etwa der weiße Bereich um die Schnauze. Auch die Tatsache, dass das Tier die große Distanz zum Menschen aufrechterhalten hat, spricht für einen Wolf“ sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke.

Ein Schnappschuss des Wolfes gibt es auf www.nabu.de

Siegfried Schuch, Vorsitzender des NABU Rheinland-Pfalz, freut sich über die Rückkehr des Wolfes und verweist die Geschichte vom „bösen Wolf“ ins Reich der Märchen: „Wölfe sehen in uns Menschen keine Beute. Seit seiner Rückkehr nach Deutschland ist es zu keiner Situation gekommen, bei der sich ein Wolf irgendwie aggressiv einem Menschen genähert hat. Eine erfolgreiche Nachbarschaft von Mensch und Wolf ist möglich. Das sollten wir hier in Rheinland-Pfalz auch schaffen.“ Der NABU sieht vor diesem Hintergrund den Bedarf eines Wolfsmanagements für Rheinland-Pfalz. Schuch: „Der erste Wolf in Rheinland-Pfalz ist ein deutliches Signal für gemeinsame Gespräche, wie sie auch in anderen Bundesländern schon geführt werden.“

Der Wolf hielt sich in einem Gebiet nahe der Landesgrenzen zu Nordrhein-Westfalen (16 Kilometer) und Hessen (27 Kilometer) auf. NABU-Wolfsexperte Markus Bathen geht daher von einem typischen Wanderwolf aus. Noch offen sei, ob sich das Tier im Westerwald niederlassen werde oder immer noch auf Wanderschaft ist. Die Tageslaufleistung eines Wolfs beträgt 40 bis 75 Kilometer. Josef Tumbrinck, Vorsitzender des NABU Nordrhein-Westfalen und Gerhard Eppler, Vorsitzender des NABU Hessen, sehen ihre Bundesländer deshalb ebenfalls als potenzielle Heimat für das Tier: „Auch Nordrhein-Westfalen und Hessen haben wolfsgeeignete Lebensräume und gelten daher als Wolfserwartungsland. Sollte der Wolf weiterwandern und zu uns kommen, heißen auch wir ihn Willkommen.“

Wölfe leben seit dem Jahr 2000 wieder in Deutschland. Derzeit haben sie mit 14 Rudeln  in den neuen Bundesländern den ersten kleinen Trittstein eines Deutschen Wolfsbestandes geschaffen. Junge Wölfe verlassen das Rudel wenn sie geschlechtsreif werden und wandern weite Strecken, um neue, noch wolfsfreie Gebiete zu besiedeln. 2009 legte ein Wolf aus der Lausitz über 1500 Kilometer bis Weißrussland zurück. „Ein Wolf im Westerwald ist für uns keine Überraschung. Abgesehen von den Straßen, die er lebend überwinden muss, sind die 500 Kilometer von der Lausitz für Wölfe eine leicht zu überbrückende Entfernung“, so NABU-Wolfsexperte Markus Bathen.

Der NABU begleitet seit 2005 die selbstständige Rückkehr des Wolfes nach Deutschland. In einem Projektbüro im Wolfsgebiet Lausitz werden die Erfahrungen mit dem Wolf in unserer Landschaft gesammelt. Bundesweit informiert der NABU über die Rückkehr des scheuen Beutegreifers. Übrigens: Begegnungen von Mensch und Wolf sind für Wölfe gefährlich:
2011 wurden acht Wölfe durch Verkehrsunfälle getötet sowie ein illegal geschossener Wolf aufgefunden.

Wieder mal: Jäger schießt Wolf

In letzter Zeit bekommt der Wolf in Deutschland ja die nötige Aufmerksamkeit – im positiven Sinne. Ich habe im letzten Monat zwei TV-Sendungen zur besten Sendezeit über ihn gesehen.

Das gefällt natürlich nicht allen, dass der Wolf langsam wieder heimisch wird bei uns. Und es ist wieder mal so weit, dass ein Jäger, diesmal in Sachsen-Anhalt, einen Wolf schießt. Bei Focus-Online wird darüber – völlig zu Recht und „endlich“, müsste man sagen – in der Rubrik Kriminalität geschrieben: Jäger erschießt Wolf – Welpen bedroht.

Urteile gegen Wolfsjäger gesprochen

Das Amtsgericht Dannenberg erließ gegen die zwei Schützen eines wild lebenden Wolfs Strafbefehle. Ein Schütze der 3 Schüsse auf den Wolf abgegeben hat muss 12.800 Euro Strafe bezahlen, der andere Schütze 4.000 Euro. Es wurde ein Verstoß gegen das Naturschutzgesetz begangen, erklärte die Staatsanwaltschaft Lüneburg. .. mehr bei Focus ..

Nachtrag 05.08: Die Kommentare zum Artikel bei Focus haben es auch in sich. So schreibt zum Beispiel Mara: Dieser „SPORT“(!) ist nicht mehr Zeitgemäss und hat keinerlei biologische Rechtfertigung. Zudem spielen sich Jäger allzuoft als „Herren des Waldes“ auf.
Mit dieser Meinung steht sie ganz gewiss nicht alleine, die Mara. So weit hat es die klassische Jägerei mittlerweile in den Augen weiter Kreise gebracht.

Im ÖJV Blog gibt es zum Fall dieser Wolfstötung einen Bericht vom Nabu (inklusive Einschätzung und Hintergründe).